Sheshiva

Erste Schritte

Die armen Hunde, immer haben wir es gewusst, hatten auch schon Bilder gesehen, schreckliche Bilder. Die Gedanken lagen immer in Ohnmacht, da der Wunsch nach Aktivität immer schnell an Grenzen stieß. Nach unten fahren, ein paar Hunde ins Auto mitnehmen, das ginge doch, und so formten sich die Gedanken zu einem Willen, der uns nicht mehr losließ. Im Internet fanden sich Gruppen, die dies schon durchführten oder auch Absichten hatten, wie die Gedanken in der Ohnmacht.
Es war Januar 2009 als eine Gruppe im Internet entstand. Hier wurde der Grundstein gelegt, der anfangs noch auf unsicherem Fundament lag. Jemand ersteigerte ein Transportfahrzeug, damals noch ohne eine Klimaanlage, und wir gaben dem Transporter einen Namen. Mit diesem Fahrzeug sammelten wir dann Sachspenden aus der Umgebung ein und unsere erste Hilfsgüterfahrt führte uns nach Ungarn in das Tierheim von Nagykanizsa. Es war der 12. Februar 2009 als wir voll beladen mit Futter und Decken unsere erste Hilfsgüterfahrt antraten.


Tierheim von Nagykanizsa in Ungarn

Ein Teammitglied berichtet:  Als wir im Tierheim von Nagykanizsa ankamen, ergab sich ein Bild des Jammers. Die Spannung stand jedem im Gesicht geschrieben. Kurz vor 9:00 zeigte uns ein PKW den Weg zum Tierheim. Ein rostiges Schiebetor wurde zur Seite geschoben, und der Hilfstransport bahnte sich seinen Weg. Einige Kettenhunde begrüßten uns mit lautem Bellen und gaben den anderen Tierheiminsassen unsere Ankunft bekannt. Sofort erklang ein unüberhörbarer Hundechor mit lauten und heiseren Stimmen. Meine Gänsehaut versteckte ich in meinem Anorak, wollte jetzt nur noch allein sein."Hoffentlich spricht mich jetzt niemand an, lasst mich nur allein," das waren meine ersten Gedanken. Zum 1. Mal nach 10 Jahren rollten die Tränen und erschwerten eine Erstbegegnung mit den jammernden Fellnäschen.Meine Begleiter waren auch in den langen Korridorreihen verschwunden, wo sich die Zwinger befanden, und suchten ihre eigene Lösungsstrategie. 
Ca. 140 Hunde und einige Samtpfötchen fristeten hier hinter Gittern ihr tristes Dasein.Jeweils 3 Hunde befanden sich in einem Käfig und drängten zu den Gitterstäben. Die Wassernäpfe enthielten dicke Eisbrocken, der Kot war gefroren. Schäbig und zum Teil nach oben offen, standen verloren die Kisten, die als Hundehütten dienten."Holt uns hier raus! Was haben wir getan? Was haben wir nur falsch gemacht? Will immer dein treuer Begleiter sein! Hast du etwas Leckeres dabei?" so deutete ich das klägliche Bellen der abgemagerten und zum Teil ausgemergelten Tiere. Erschüttert wankte ich zum Wagen und holte die Tragetasche mit den "Begrüßungsleckerchen", die ich eigens zu diesem Zweck mitgebracht hatte.Werde die Schreie und Blicke nie vergessen! Wenn Hunde die Gesamtverfassung ihrer Umgebung widerspiegeln, dann hatte ich in ich in wenigen Minuten erkannt, in welch dramatischer Lage sie sich befinden mussten. Bis auf wenige Fellnasen holten sie sich mit lang gestrecktem Kopf und Körper ihre Hundeplätzchen ab und genossen die Zuwendung. Einige ließen mich einfach nicht mehr los. Ihre Blicke klebten an mir, selbst als ich schon einige Zwinger weiter gegangen war. Die traumatisierten und ängstlichen Tiere suchte ich im Käfig auf und zeigte ihnen meine gute Absicht.
Bei einem blinden Hund verweilte ich längere Zeit und begann mit ihm zu sprechen. Sein Wedeln machte mir klar, dass wir uns verstanden hatten. Vorsichtig nahm er sein Leckerli und legte es am Boden ab. Dann näherte sich seine feuchte Nase wieder meiner Hand, und er öffnete das Maul für das 2. Plätzchen. So machte er es 3 Male. Als ich ihn mit den Worten "wir sehen uns bestimmt wieder" verließ, beobachtete ich, dass er seine Knabberplätzchen genüsslich verzehrte. Besonders tiefe Stiche trafen mich bei der Begegnung mit anderen Hunden mit Handicap. Ob es das Dreibeinchen war, die Fellnase mit nur einem Auge oder die alte Hundedame, die seit 10 Jahren mit ihrem verkrüppelten Vorderbeinchen hinter Gittern verbrachte, alle gaben mir Mut, indem sie mir ihre Hoffnung auf ein besseres Leben ohne Hunger, Kälte und Krankheiten, dafür aber mit einem warmherzigen Frauchen oder Herrchen zeigten. Wir konnten 5 Hunde aus Nagykanisza mitnehmen, Hunde, für die wir schon im vorhinein einen Platz gesichert hatten.

Einen Monat später machten wir den zweiten Hilfsgütertransport nach Nagykanisza und konnten mit der Rückreise schon 9 Hunde mitnehmen, für die ein Platz in Deutschland schon feststand. Dieses waren unsere ersten Schritte, die uns erfolgreich aus unserer Ohnmacht nahmen.